Naturpark Südharz

mit seiner einzigartigen Karstlandschaft

Was ist Karst?

Unter dem aus dem jugoslawischen Sprachraum stammenden Begriff Karst versteht man das Vorwiegen der unterirdischen Entwässerung infolge Gesteinslöslichkeit. Eine Karstlandschaft ist ein zusammenhängender Raum, dessen oberirdisches Erscheinungsbild und dessen Entwässerung durch das weitflächige und meist tiefreichende Auftreten löslicher Gesteine bestimmt ist.

Die Gipskarstlandschaft S ü d h a r z ist ein für Europa einzigartiger Naturraum. Dank der besonderen geologischen Situation ist in Zehntausenden von Jahren eine Landschaft mit enormen geologischen Reichtum und biologischer Vielfalt entstanden und vielerorts bewahrt geblieben.

Am Südharz dominieren die vor etwa 255 Mio. Jahren in einem warmen Flachmeer abgelagerten weißen Gips- und hellbraunen Dolomitgesteine. Karst nennt man heute die überwiegend unterirdische Entwässerung infolge Auflösung dieser Gesteine.

Zwei Gramm Gips lösen sich in einem Liter Wasser. Dies führt zu einer sich auch in der Gegenwart rasch verändernden Fülle von Karsterscheinungen, wie:

  • Bachschwinden
  • Karstquellen
  • Vielen Tausend Erdfällen
  • Höhlen

Ökologie - Naturschutz - Gewässer - Umwelt im Karst

Vegetation

Das bewegte und z.T. steile Relief im Südharzer Gipskarst hat Ackerbau oder Besiedlung vielerorts nicht zugelassen. Viele der hier typischen Buchenwälder sind daher naturbelassen und extrem reich an Tier- und Pflanzenarten. Über 400 Pilzarten, davon einzelne mit einzigem Vorkommen in der Bundesrepublik, konnten nachgewiesen werden. Flachgründige Böden auf Gips und Dolomit wurden seit Jahrhunderten oder -tausenden mit Ziegen oder Schafen abgehütet. Hier konnten sich Pflanzen- und mit ihnen Tierarten der südosteuropäischen Steppen ausbreiten.

Tiere

Typische Tiere der Karstlandschaft sind Schmetterlinge, Heuschrecken, Weinbergschnecken und Eidechsen auf diesen nährstoffarmen Grünländereien, Ringelnatter, Feuersalamander, Geburtshelferkröte und Molche in den feuchtkühlen Schluchtwäldem und Teichen der Erdfalle, Fledermäuse in den Höhlen, Uhus an Felswänden, Dachse in den Wäldern des nackten Karstes, Schwarzstörche und Steinkäuze.

Karstgrundwasser

Das Karstgrundwasser aus Brunnenbohrungen und von Natur aus reinen Quellvorkommen des Tiefengrundwasser ist reich an gelösten Stoffen und wird deshalb in Förste als gesundheits-förderndes Mineralwasser abgefüllt. Wegen seiner großen Grundwasservorkommen werden die Karstgebiete bei Herzberg am Harz (Pöhlder Becken) und bei Nordhausen für die regionale Trinkwasserversorgung genutzt.

Südharzer Karstgebiete im europäischen Schutzgebietsnetz "Natura 2000"

  • Südlicher Iberg mit Iberger Tropfsteinhöhle u.a. Karbonatkarsterscheinungen bei Bad Grund (Niedersachsen)
  • Gipskarstgebiet Osterode mit den Naturschutzgebieten Gipskarstlandschaft Hainholz und Lichtenstein (Niedersachsen)
  • Flussauen von Sieber, Oder und Rhume mit Flussversinkungen und Rhumequelle (Niedersachsen)
  • Steinberg mit Steinkirche bei Scharzfeld (Niedersachsen)
  • Gipskarstgebiet Bad Sachsa mit den Naturschutzgebieten Itelteich, Priorteich-Sachsenstein, Weißensee-Steinatal und Juliushütte (Niedersachsen)
  • Sülzensee und Mackenröder Wald bei Mackenrode (Thüringen)
  • Kammerforst, Himmelsberg und Mühlberg bei Niedersachswerfen (Thüringen)
  • Hunnengrube, Katzenschwanz, Wartkirche und
    Sattelköpfe (Thüringen)
  • Rüdigsdorfer Schweiz und Harzfelder Holz bei Rüdigsdorf (Thüringen)
  • Pfaffenköpfe (Thüringen)

Naturschutzgebiet Alter Stolberg (Thüringen).

Leider sind diese Gebiete jedoch aufgrund der Abwägung mit Rohstoffinteressen z.T. viel zu klein geraten, um eine effektive Schutzwirkung ausüben zu können.

In Sachsen-Anhalt ist die Schutzsituation aufgrund des Fehlens von Gipssteinbrüchen noch sehr viel besser. Seit 1990 gab es aktive Bemühungen, in der Natur- und Kulturlandschaft des Südharzer Karstes ein Biosphärenreservat einzurichten. Diese Pläne wurden hier erfreulicherweise schon teilweise Wirklichheit, denn das Land Sachsen-Anhalt hat seit 1999 sukzessive das Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz eingerichtet; es ist seit Anfang 2002 arbeitsfähig. Die Dauerausstellung der Verwaltung unter dem Motto "Wir hier - Leben in/mit einer Landschaft" ist von Montag bis Freitag 9 - 12 Uhr und 13 - 15 Uhr oder nach Vereinbarung am Sitz des Biosphärenreservats in Roßla zu besichtigen.

Kontakt: Biosphärenreservatsverwaltung "Karstlandschaft Südharz", Hallesche Straße 68, 06536 Roßla, Tel. 034651/2988-90, Fax 034651/2988-999

Der Karstwanderweg Südharz und seine Entstehung

Wegecharakter

Der Karstwanderweg ist ein landschaftsbezogener, touristischer Wanderweg und interdisziplinärer thematischer Lehrpfad mit geowissenschaftlichen Schwerpunkten; die erschlossene und dokumentierte Themenpalette umfaßt insbesondere die Bereiche Geologie und Hydrogeologie, Reliefgenese, Archäologie, Paläontologie, Umwelt, Klima, Vegetation und Fauna, Siedlungs- und Wirtschaftsgeschichte, historischer Bergbau, Rohstoffnutzung, jüngere Vergangenheit, Handwerk, Forschungsgeschichte, Baugrund, Gewässerkunde und Kulturlandschaftsgeschichte. Der Weg verläuft ausschließlich auf vorhandenen land- und forstwirtschaftlichen und Wanderwegen bzw. –pfaden. Er ist durchgehend für Fahrräder, jedenfalls Mountainbikes geeignet.

Die Geschichte des Karstwanderweges

Landkreis Sangerhausen
Mit der Gründung eines Karstmuseums an der Höhle Heimkehle im Jahre 1979 wurde schnell klar, dass ein Ausstellungsgebäude für die Präsentation der Südharzer Karstlandschaft in absehbarer Zeit nicht zur Verfügung stehen würde. Deshalb kam R. VÖLKER auf die Idee, dem interessierten Publikum in Form von öffentlich ausgeschriebenen Karstwanderungen die Karstlandschaft des Südharzes näher zu bringen.

Im Jahr 1982 setzte R. VÖLKER dieses Vorhaben mit den Angestellten des Karstmuseums Heimkehle im Landkreis Sangerhausen in die Tat um.

Wichtigstes Element war die Findung eines Kompromisses zwischen den Belangen des Naturschutzes und des Erlebniswertes des Weges.

So geplant und angelegt, erschloss der Weg interessante Bereiche der Karstlandschaft des Landkreises Sangerhausen auf einer Länge von 48 km, ohne bewahrenswerte Naturdenkmäler zu gefährden. Auf rund 50 Erklärungstafeln wurden die Erkenntnisse über die Entstehung der Landschaft und ihrer Formen in einem knappen Text und farbig angelegten Schnittzeichnungen dargestellt.

Landkreis Osterode am Harz
Im Landkreis Osterode war durch die dortige Kreisverwaltung ein kleiner Rundweg durch das Gipskarstgebiet Hainholz angelegt worden, um die Besucher des Gebietes zu leiten und vom wilden Durchstreifen abzuhalten. Erklärungstafeln gaben Auskunft über nennenswerte Karsterscheinungen. Der Weg brachte eine Kanalisation des Besucherverhaltens, was dem Naturschutzanliegen zu Gute kam. Mit der Grenzöffnung im Jahre 1989 war der Vergleich dieses Weges mit dem Karstwanderweg im Landkreis Sangerhausen möglich.

Die Routenführung im Landkreis Osterode am Harz auf zwei parallelen Wegen ist durch den geologischen Bau der Schichtstufenlandschaft bedingt. Nördlicher Weg: Ausstriche des Zechsteinkalkes, Werradolomites und -anhydrits, südlicher Weg: Basalt- und Hauptanhydrit und bedeckter Karst unter unterem Buntsandstein. Hierdurch ist die Verknüpfung beider Wege zu Rund-, Halbtags- und Tagesexkursionen möglich. Beide Teilwege sind zusammen 106 km lang. Auf rund 90 Erklärungstafeln werden Informationen über die verschiedenen Karsterscheinungen gegeben.

Landkreis Nordhausen
Nun war eine Lücke zwischen dem Weg im Osten (Sangerhausen) und im Westen (Osterode) entstanden, die nur der Landkreis Nordhausen schließen konnte. Im Jahre 1992 erhielt Dipl.-Geol. Reinhard VÖLKER den Auftrag, den Verlauf des Nordhäuser Karstwanderweges zu planen und Entwürfe für die Erklärungstafeln vorzulegen.

Der Nordhäuser Wanderweg ist von Westen her ebenfalls in zwei Äste aufgespalten, die sich bei Gudersleben zu einem Weg vereinigen. Insgesamt ist der Nordhäuser Wanderweg 53 km lang. An etwa 50 Stellen stehen Erklärungstafeln. Ein Wanderwegeführer ist im Jahr 1997 erschienen.

Somit zieht sich ein 207 km langer Karstwanderweg mit rund 200 Erklärungstafeln von Förste im Westen bis nach Pölsfeld im Osten. Er berührt einzigartige Naturschutzgebiete und Biotope mit geschützten Landschaftsformen, Pflanzen, Tieren und bedeutenden Kulturdenkmälern. Der Weg verbindet die Südharzer Karstlandschaft und damit die Länder Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt mit den Landkreisen Osterode, Nordhausen und Sangerhausen.


Der historischen Entwicklung von Rohstoffverarbeitung und Handwerk zuzuschauen, die Vegetationsgeschichte und Pflanzenarten der Trockenrasen, Obstwiesen, Hude- und Mittelwälder zu studieren; zu verstehen, daß diese Formen ohne Schafhaltung, Schneitelung der Hainbuchen, Nutzung des Obstes untergehen. Und letztlich die Schönheit und Eigenart dieser an Farben und Strukturen reichen Karstlandschaft Südharz zu erleben und den Impuls zu vermitteln, daß es sich lohnt, in dieser Landschaft zu leben und sich für ihre Unversehrtheit einzusetzen; all das kann und soll mit dem Karstwanderweg Südharz vermittelt werden; er ist einer der längsten und vielgestaltigsten thematischen Wanderwege in Deutschland!

Quelle: Karstwanderweg Südharz
www.karstwanderweg.de


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